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Zur Entstehung der Evangelien*

  • Petr Pokorný

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Die Untersuchungen über die Entstehung der Evangelien müssen vor allem das Markusevangelium beachten, weil es nach der Zweiquellentheorie die bedeutendste Vorlage der beiden übrigen Synoptiker ist und weil die ganze Gruppe der urchristlichen Schriften, die man heute Evangelien nennt, durch das Markusevangelium beeinflußt ist. Das Markusevangelium wird in den Beiden Dimensionen untersucht, durch die die einzelnen literarischen Texte mit den breiteren Bezugssystemen verbunden sind: entstehungsgeschichtlich (syntagmatisch) und in der paradigmatischen Dimension, d.h. in den Assoziationen, die seine Lektüre erweckt und in den Ähnlichkeiten und Unterschieden seiner Struktur im Vergleich mit anderen Texten. Daß man auf solche komplexe Weise vorgehen muß, ist zum Konsensus geworden. In der Methode und in den konkreten Ergebnissen gibt es jedoch viele offene Fragen und Widersprüche. Von den früheren Beiträgen ausgehend3möchte ich jetzt einige Konsequenzen für die Methode ziehen und neue Beobachtungen hinzufügen, die m.E. für die Auslegung der Evangelien und für das Verständnis ihrer Funktion von Bedeutung sind.

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Anmerkungen

[1] Literatur z. Thema s. in: Pokorný, P., ‘Das Markusevangelium’, in: ANRW II/25/3 (Berlin, 1985) 19692035; G. Rau, ‘Das Markusevangelium. Komposition und Intention der ersten Darstellung der christlichen Mission’, ebd. 2036–2257; D. Dormeyer-H. Frankenmölle, ‘Evangelium als literarische Gattung und als theologischer Begriff’, ebd. 25/2, 1543–1704 u. Vorster, W. G., ‘Der Ort der Gattung Evangelium in der Literaturgeschichte’, Verkündigung und Forschung Nr. 1 (1984) 125. Die im §4. 3 formulierte These habe ich in Beitrag, dem, ‘“Der Anfang des Evangeliums”. Zum Problem des Anfangs und des Schlusses des Markusevangeliums’, in: Die Kirche des Anfangs (FS Schürmann, H., Leipzig, 1978) 115–32, veröffentlicht.

[2] Überlegungen zur Methode s. in dem Sammelband Cancik, H. Hg., Markus-Philologie (WUNT 33, Tübingen 1984).

[3] Ihre Zusammenfassung s. in den in Anm. 1 genannten Beiträgen.

[4] Aus den neuesten Arbeiten dieser Art möchte ich auf Robbins, V. K., Jesus the Teacher. A Socio-Rhetorical Interpretation of Mark (Philadelphia, 1984), Ch. Hedrick, W., ‘The Role of “Summary Statements” in the Composition of the Gospel of Mark; A Dialog with Karl Schmidt and Norman Perrin’, Nov Test 26 (1984) 281311 und Lüderitz, G., ‘Rhetorik, Poetik, Kompositionstechnik im Markusevangelium’, in: Markus-Philologie (Anm. 2) 165203, aufmerksam machen.

[5] Im Grunde wird da mit neuen Mitteln die Arbeit fortgesetzt, Schmidt, die K. L., Der Rahmen der Geschichte Jesu (Berlin, 1919) begonnen hat.

[6] So hat es der tschechische Literaturforscher Levý, J., ‘Teorie informace a literárnì proces’ (Informationstheorie und literarischer Prozeß), zuletzt in: ders., Bude literární; věda exaktní vědou? (Praha, 1971) 3171, an der S. 33 f., in Anlehnung an H. Whitehall formuliert.

[7] S. dazu neulich den Sammelband Stuhlmacher, P. Hg., Das Evangelium und die Evangelien (WUNT 18, Tübingen 1983).

[8] Gegen W. Schmithals, G.-W. Trompf, E. Linnemann u.a., s. Pokorný, ‘Markusevangelium’ (Anm. 1) 1980 ff.

[9] Diskussionsbericht s. Pokorný, ‘Markusevangelium’ (Anm. 1) 1983 ff.

[10] In 13. 10 vielleicht unter Anlehnung an urchristliche Wendungen - so Hahn, F., Das Verständnis der Mission im Neuen Testament (WMANT 13, Neukirchen, 1963) 60.

[11] Strecker, G., ‘Literarkritische Überlegungen zum ε ủαγγέλιον-Begriff im Markusevangelium’ (1972), zuletzt in: ders., Eschaton und Historie (Göttingen, 1979) 7689, bes. S. 83 ff.

[12] Pesch, R., Das Markusevangelium II (Herders Komment., Freiburg, 1977) 62, 145.

[13] Vgl. Stuhlmacher, P., ‘Zum Thema: Das Evangelium und die Evangelien’, ders., Evangelium (Anm. 7) 23.

[14] Strecker, G., ‘Das Evangelium Jesu Christi’, in: ders., Eschaton (Anm. 11) 183228, an der S. 217.

[15] Strecker, G., ‘Die Leidens- und Auferstehungsvoraussagen im Markusevangelium’, zuletzt in: ders., Eschaton (Anm. 11) 5275.

[16] Tödt, H. E., Der Menschensohn in der synoptischen Überlieferung (Gütersloh, 1958) 138.

[17] Zusammenfassend: Schniewind, J., ‘Zur Synoptiker-Exegese’, ThR 2 (1930) 129–89, bes. S. 152 u. neulich Ph. Vielhauer, , Geschichte der urchristlichen Literatur (Berlin - New York, 1975) 350.

[18] Auerbach, E., Mimesis (Bern, 1959 2) 44–6.

[19] Zuletzt von Robbins (Anm 4) 79 unterstrichen. D. Dormeyer meint, daß man den ersten Satz sowohl auf den Prolog als auch auf das ganze Buch beziehen kann: Dormeyer-Frankenmölle (Anm. 1) 1582.

[20] Der Satz von dem Anfang des Wortes Gottes zu Hosea folgt erst nach dem Incipit in Hos 1. 1, etwa wie im Markusevangelium der Vers 1. 2 nach Mark 1. 1 folgt.

[21] So Pesch, R., ‘Anfang des Evangeliums Jesu Christi: Eine Studie zum Prolog des Markusevangeliums’, in: Rahner, G. Bornkamm-K. (Hg.), Die Zeit Jesu (FS H. Schlier, Freiburg, 1970) 108–45 u. von Pokorný, ‘Markusevangelium’ (Anm 1) 1994 genannten Autoren.

[22] Pokorný, ‘Anfang’ (Anm. 1); Baarlink, H., Anfängliches Evangelium. Ein Beitrag zur näheren Bestimmung der theologischen Motive im Markusevangelium (Kampen, 1977) 292 ff.; Rau, ‘Markusevangelium’ (Anm. 1) 2070.

[23] ‘Erwägungen zur Christologie des Markusevangeliums’ (1964), zuletzt in: ders., Aufsätze zum Neuen Testament (Th. Bücherei 31, München, 1965) 199215.

[24] Vielhauer, , Geschichte (Anm. 17) 349.

[25] Gegen die Vorstellung, dass es sich um ‘Kleinliteratur’ oder um einen nicht literarischen Text handelt; so Dibelius, M., Formgeschichte des Evangeliums (Tübingen, 1959 3) 300.

[26] Holtz, T., ‘Die Bedeutung des Apostelkonzils für Paulus’, Nov Test 16 (1974) 110–48.

[27] Nach Dibelius (Anm. 25) 185, war der Schriftbeweis ein im Osterglauben wurzelndes Postulat.

[28] ‘Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung’ nennt die Evangelien Kähler, M., Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus (Th. Bücherei 2, München, 1969 4) 60 (Anm. 1 aus der S. 59) vgl. Daube, D., ‘The Earliest Structure of the Gospels’, NTS 5 (1958–9) 174–87.

[29] Das hat Seeberg, schon A., Der Katechismus der Urchristenheit (Th. Bücherei 26, München, 1966; [Nachdruck]) 167, erkannt. Er hat jedoch gemeint, daß es sich um Vorstufen eines urchristlichen Katechismus handelt. Das Ergebnis dieses traditionellen und literarischen Integrationsprozesses war Dank Markus eine neue literarische Struktur, die man später Evangelium genannt hat.

[30] Bultmann, R., Die Geschichte der synoptischen Tradition (FRLANT 29, Göttingen, 1958 4) 346.

[31] Vgl. Stuhlmacher, P., Das paulinische Evangelium I (FRLANT 95, Göttingen, 1968) 242. – Andere Vorformen des Markusevangeliums kann man nicht nachweisen. Was Dodd, C. H., ‘The Framework of the Gospel Narrative’, zuletzt in: ders., New Testament Studies (Manchester 1953) 111, z.B. in Apg. 10. 37–40 für die mündlich tradierte Rahmenstruktur des späteren Evangelien hält, ist eher eine Zusammenfassung der gemeinsamen synoptischen Tradition, die die Kenntnis des Markusevangeliums voraussetzt; so Nineham, D. E., ‘The Order of Events in St. Mark's Gospel – an Examination of Dr. Dodd±s Hypothesis’, in: ders., Hg., Studies in the Gospels (FS Lightfoot, R. H., Oxford, 1955) 223–39, bes. S. 228 f. u. Wilckens, U., ‘Kerygma und Evangelium bei Lukas’, ZNW 49 (1958) 223–37. Eine Übersicht der neueren Diskussion bietet Guelich, R., ‘The Gospel Genre’, in: Evangelium (Anm. 7) 183219, an der S. 209 ff.

[32] Einen diesbezügl. Diskussionsbericht s. bei Frankenmölle (Anm. 1) 1668 ff.

[33] Stuhlmacher, ‘Thema’ (Anm. 13) 21.

[34] Die Zeit des Evangeliums IV-VI’, BZ N.F. 22 (1978) 7691, bes. S. 79, 90 f.

[35] Memory and Manuscript (Uppsala, 1961) zuletzt: Der Weg der Evangelientradition’, in Evangelium (Anm. 7) 79102.

[36] Dies ist bei Paulus durch die Verbindung solcher Sprüche mit dem Kyrios-Titel, im Thomasevangelium durch den Prolog ausgedrückt, wonach es sich um Worte des lebendigen Jesus handelt.

[37] Käsemann, E., ‘Sackgassen im Streit um den historischen Jesus’, in ders.: Exegetische Versuche und Besinnungen II (Göttingen, 1965 2) 3168, an der S. 67.

[38] Ebd. 40.

[39] Das Markusevangelium als Geschichtsdarstellung’, Ev Th 27 (1969) 7393, an der S. 92.

[40] bBerak. 24b.

[41] Ps 74.9; bSanh. 11a.

[42] Guelich (Anm. 31) 194, 209.

[43] Schniewind (Anm. 17) 183.

* Main paper, vorgetragen am 21. August 1985 auf dem 40. General Meeting der SNTS in Trondheim.

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