Skip to main content Accessibility help
×
Home

Paulus in der Apostelgeschichte und die Geschichte des Urchristentums*

  • J. Jervell

Extract

Für Irenäus ist Paulus der Apostel, ho apostolos, schlechthin. Wiederholt redet er von ‘dem Apostel’, meistens ohne den Namen zu nennen. Er meint aber Paulus. Zu selber Zeit hält er aber an der einzigartigen Rolle der zwölf Apostel als Traditionsgaranten fest. Paulus ist jedoch der Apostel schlechthin, der einzige Apostel, den Irenäus ohne Namen als Autorität anführen kann, Adv Haer V 6. 1; 7. 1–2; 8. 1–3; 9. 1; 10.1; 11. 1; 12. 2, 3, 4; 13. 3, 4, 5; 14. 1, 3. etc. Niemals versucht Irenäus einen Ausgleich, also Paulus im Verhältnis zu den anderen Apostel, z.B. als gleichgestellt oder unter-geordnet, darzustellen. Irenäus ist hier als Beispiel erwähnt. Es ist auch möglich Paulus als der Apostel schlechthin zu erwähnen, ohne den Titel überhaupt zu verwenden, so z.B. Polykarp Phil 3. 2; 9. 1; 11. 2–3 und in den Paulusakten 8. 1, 3, 4. Und wenn Paulus als untergeordnet oder gleichgeordnet dargestellt wird, dann kommt eine Darstellung zur Sicht, die nichts mit der Apostelgeschichte des Lukas gemein hat.

Copyright

References

Hide All

Aufmerkungen

[1] Adv Haer III 13. 1 weist Irenäus auf einzelne hin, die meinen, nur Paulus sei Apostel. V praef werden die paulinischen Briefe als ‘die apostolischen Briefe’ erwähnt ohne den Namen des Paulus anzuführen. Die Paulusbriefe haben denselben Autorität wie die Evangelien, Dassmann, siehe E., Der Stachel im Fleisch. Paulus in der frühchristlichen Literatur bis Irenäus (Münster, 1979) 301.

[2] Auch 1 Klem gibt es der Apostel und die zwölf Apostel; Paulus scheint übergeordnet zu sein: 5. 5, 7; 42. 1 ff. Lindemann, Dazu A., Paulus im ältesten Christentum (BHTh 58, Tübingen, 1979) 81 ff.; Dassmann, E., Stachel 77 ff. Weiter Ignatius Eph 12. 2; Röm 4. 3, Lindemann, dazu, Paulus 84.

[3] Zu Phil 4. 3: Lindemam, , Paulus 88.

[4] Zu den Paulusakten als Zeugnis über die Entwicklung des lukanischen Paulus im zweiten Jahrhundert: Schneemelcher, W., Neutestamentliche Apokryphen in deutscher Übersetzung II (Tübingen, 1964) 239; Lindemann, , Paulus 6870.

[5] Schriften in denen nur die Zwölf Apostel sind, aber nicht Paulus: Schmithals, W., Das kirchliche Apostelamt. Eine historische Untersuchung (FRLANT, Göttingen, 1961) 233 ff.

[6] Lietzmann, Der Ausdruck aus H., An die Korinther I-II (HandbNT 9, 4. Aufl. Tübingen, 1949) 146, 156.

[7] Sonst ist Paulus in den Kommentaren zur Apostelgeschichte als ‘Held’, ‘Zentralfigur’, ‘Hauptperson’, ‘Mitte’ etc. charakterisiert.

[8] Jervell, J., Luke and the people of God. A New Look at Luke-Acts (Minneapolis, 1972) 153–84.

[9] Gegen die verbreitete Erklärung, Paulus verwende den Begriff weil er traditionell ist, oder es drehe sich um eine Nachlässigkeit: Lindemann, , Paulus 61 f.; Conzehnann, H., Die Apostelgeschichte (HandbNT 7, Tübingen, 1963) 79: Lukas habe den Begriff hier aus einer Quelle (V. 14). So mit Haenchen, E., Die Apostelgeschichte (Meyer Komm 3. Abt. 7. Aufl. Göttingen, 1977) z.St.

[10] Didache 11.3.

[11] So Lindemann, , Paulus 61 f.

[12] allen, Vor: Klein, G., Die zwölf Apostel. Ursprung und Gehalt einer Idee (FRLANT 77, Göttingen, 1961).

[13] Plümacher, E., Apostelgeschichte (TRE 3, Berlin, 1978) 508.

[14] Roloff, J., Apostel (TRE 3, Berlin, 1978) 443 im Anschluss an Burchard, C., Der dreizehnte Zeuge. Traditions- und kompositionsgeschichtliche Untersuchungen zu Lukas' Darstellung der Frühzeit des Paulus (FRLANT 103, Göttingen, 1970).

[15] Man darf hier nicht auf Ananias 9.10 ff. und 22. 12 ff. hinweisen. Ananias vertritt nicht die Zwölf oder Jerusalem. Vgl. Maddox, R., The Purpose of Luke-Acts (FRLANT 126, Göttingen, 1982) 72; Paulus und die Tradition: Lührmann, D., Das Offenbarungsverständnis bei Paulus und in den paulinischen Gemeinden (WMANT 16, Neukirchen-Vluyn, 1965) und Wegenast, K., Das Verständnis der Tradition bei Paulus und in den Deuteropaulinen (WMANT 8, Neukirchen-Vluyn, 1962).

[16] Schneider, G., Die Apostelgeschichte II (Herders theol. Komm. NT 5, Freiburg-Basel-Wien, 1983) 39, vgl. auch I, 1980, 219, N. 62, will aus dem Ausdruck ‘Eingehen und Ausgehen’ eine Legitimation von Paulus durch die Zwölf sehen und verweist auf Acta 1. 21. Hier wird aber nur vom Umgang des Paulus mit den Zwölf geredet; von einer Legitimation verlautet aber nichts. Wenn man Acta 1. 21 als Parallele verwendet, wo Jesus bei den Zwölf ein- und ausging, wird dann nicht Jesus von den Zwölf legitimiert, was natürlich sinnlos ist? Demnach könnte man es auch so verstehen, dass Paulus die Zwölf legitimiert.

[17] Maddox, , Purpose 75 ff.: Paulus gehöre zur zweiten Generation.

[18] Dass die Bekehrung von Paulus Acta 9 vor der Korneliusgeschichte in 10–11 steht bedeutet Für Dietrich, W., Das Petrusbild der lukanischen Schriften (BWANT 94, Stuttgart, 1972) 20, dass die Heidenmission für Lukas auf Paulus zurückgeht.

[19] Anders: Maddox, , Purpose 75.

[20] Maddox, , Purpose 74: Die Damaskusberichte dienen ‘not to assimilate Paul to the Twelve Apostles, but to distinguish him from them’. Das wird aber bei Maddox so verstanden, dass Paulus nicht Apostel ist; er gehört für Lukas einer anderen, nicht-apostolischen Zeit an.

[21] Zum Schriftverständnis des Lukas: Jervell, J., ‘Die Mitte der Schrift: Zum lukanischen Verständnis des Alten Testaments’, in: Die Mitte des Neuen Testaments. Festschrift für Eduard Schweizer zum 70. Geburtstag, ed. Luz, U. und Weder, H. (Göttingen, 1983) 7996.

[22] Lukas hat (mindestens) zwei Traditionen vom Ursprung der Heidenmission. Sie geht auf Petrus und die Zwölf zurück, Luk 24. 46 ff.; Acta 1. 8; 10–11; 15, und sie geht auf Paulus zurück, 9; 22; 26. Dazu kommt also Antiochia, Acta 11. 19 ff. Die Traditionen stehen bei Lukas unvermittelt. In den relevanten Paulustexten werden die Zwölf nicht erwähnt, in den anderen Texten nicht Paulus. Acta 15 verarbeitet die Tradition: Petrus ist prinzipiell der erste, während Paulus die Mission durchführt; hier aber kommen die Damaskusberichte nicht zur Sicht. Hengel, Siehe M., Die Ursprünge der christlichen Mission (NTS 18, 1971–72, Cambridge, 1972) 1538.

[23] Dietrich, W., Paulusbild 260.

[24] Lindemann, , Paulus 63; siehe auch S. 67: Paulus werde nicht als Glied einer kirchlich-apostolischen Tradition gesehen, sondern als eine Gestalt sui generis. Richtig ist, dass er nicht in einer Tradition eingeordnet wird.

[25] Dibelius, M., Aufsätze zur Apostelgeschichte (FRLANT 60, Göttingen, 1951) 135.

[26] Burchard, , Zeuge 176: Paulus repräsentiert für Lukas eine historische Epoche ‘dessen Ende eine historische Zäsur bedeutet’.

[27] Maddox, , Purpose 78: Paulus ‘is a symbol of the whole Christian movement, or at least of its great leaders in the second generation’.

[28] Literatur bei Hauser, H. J., Strukturen der Abschlusszählung der Apostelgeschichte (Apg 28. 16–31) (An Bibl 86, Roma, 1979) 160, N. 269. Die letzte Arbeit: Radl, W., Paulus und Jesus im lukanischen Doppelwerk. Untersuchungen zu Parallelmotiven im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte (EHS 23/49, Bern-Frankfurt, 1975).Maddox, Kritisch, Purpose 79 f.

[29] Paulus ist ausser Jesus der einzige in Acta der Jünger hat, 9. 25. Haenchen, E., Die Apostelgeschichte (Meyer Komm 3. Abt. 7. Aufl. Göttingen, 1977) 320 und Roloff, J., Die Apostelgeschichte (NTD 5, Göttingen, 1981) 156 finden, dass der Text verdorben sei. Stählin, Anders G., Die Apostelgeschichte (NTD 5, Göttingen, 1970) 141; Overbeck, F., Kurze Erklärung der Apostelgeschichte (Kurzgef. exeg. Hb. z. NT von M. D. L. de Wette I, 4, Leipzig, 1870) 144.

[30] Jervell, Siehe J., Luke 153–84 und The unknown Paul, Essays on Luke Acts and Early Christian History (Minneapolis, 1984) 5276.

[31] Zum Problem Paulus und das Gesetz in der Apostelgeschichte: Wurm, K., Rechtfertigung und Heil. Eine Untersuchung zur Theologie des Lukas unter dem Aspekt ‘Lukas und Paulus’ (Diss. Heidelberg, 1978) 106; Wilson, S. G., ‘Law and Judaism in Acts’, SBL Seminar Papers 1980; Horn, F. W., Glaube und Handeln in der Theologie des Lukas (Gött. theol. Arb. 26, 1983) 278; Larsson, E., ‘Paul: Law and Salvation’, NTS 31, 1985, 425–36; Jervell, J., Luke 133–52.

[32] So Maddox, , Purpose 40 ff.

[33] Zur Verfolgung der lukanischen Kirche: Braumann, G., ‘Das Mittel der Zeit. Erwägungen zur Theologie des Lukasevangeliums’, ZNW 54, 1963; Schütz, F., Der leidende Christus. Die angefochtene Gemeinde und das Christuskerygma der lukanischen Schriften (BWANT V 9, Stuttgart, 1969).

[34] Maddox, Anders R., Purpose 69 ff.

[35] Jervell, Siehe, The unknown Paul 2651.

[36] So Dassmann, , Stachel 54 f.

[37] So Conzelmann, vor allen H., Die Mitte der Zeit. Studien zur Theologie des Lukas (BHTh 17, 5. Aufl. Tübingen, 1964), und derselbe: Apostelgeschichte.

[38] Lüdemann, G., Paulus und das Judentum (München, 1983) 41 f. findet schon Rom 9–11 die Möglichkeit, dass das Judenchristentum am Ende ist.

[39] Wenn Lukas über das Gesetz redet, geht es vor allem um die rituellen Gebote, so Jervell, , Luke 137 ff.

[40] Jervell, , Luke 153 ff.

[41] Jervell, , The unknown Paul 26 ff.

[42] Es ist abwegig, das Dekret so aufzufassen, dass dadurch das Gesetz abgelöst oder Freiheit vom Gesetz gegeben wird, Conzelmann, gegen, Apostelgeschichte 84, 93; Horn, , Glaube und Handeln 275; Schneider, , Apostelgeschichte II 177, N24; 184; Wilson, S. G., Law and Judaism 259, 261. Das Dekret soll dagegen die Heiden mit dem Gesetz Israels verbinden um Idolatrie abzuwehren und als Bekenntnis zu dem einen Gott zu dienen. Dazu meine bald zu veröffentlichende Arbeit: Das Aposteldekret in der lukanischen Theologie.

[43] Herford, R. T., Christianity in Talmud und Midrasch (London 1903, repr. New York, 1975, 361–97); vgl. auch 125–36; Forkman, G., The Limits of the Religious Community (Lund, 1972) 90–2; Mann, J. i HUCA 2, 1925, 306; Schiffmann, L. H., ‘At the Caossroads: Tannaitic Perspectives on the Jewish-Christian Schism’, in Sanders, E. P. (ed.), Jewish and Christian Self-Definition (London, 1981) 151 ff.

[44] Dibelius, M., Die Pastoralbriefe (HandbNT 13, Tübingen, 1955) 14 f.: Es drehe sich um judaisierende Frühformen der Gnosis; Büchsel, F., Art genealogia, ThWB I (Stuttgart, 1933) 662. Jeden-falls ist das jüdische Element hier ganz klar, und es wird abgewiesen.

[45] Können wir die Vorstellung von der Fortsetzung des Gottesvolkes in der Kirche durch das Lesen des Alten Testamentes erklären? Es gibt aber fast keine Schriftzitate im Epheserbrief.

[46] Dassmann, , Stachel 55.

[47] Vgl. Bauer, W., Die Briefe des Ignatius von Antiochia und der Polykarpbrief, Die Apostolischen Väter II (HandbNT Erg. band. Tübingen, 1920) 239 f.; Köster, H., Introduction to the New Testament, History and Literature of Early Christianity (Philadelphia, Berlin, New York, 1980) 286.

* Main Paper, vorgetragen am 21. August 1985 auf dem 40. General Meeting der SNTS in Trondheim, Norway.

Paulus in der Apostelgeschichte und die Geschichte des Urchristentums*

  • J. Jervell

Metrics

Full text views

Total number of HTML views: 0
Total number of PDF views: 0 *
Loading metrics...

Abstract views

Total abstract views: 0 *
Loading metrics...

* Views captured on Cambridge Core between <date>. This data will be updated every 24 hours.

Usage data cannot currently be displayed