Skip to main content Accessibility help
×
Hostname: page-component-848d4c4894-mwx4w Total loading time: 0 Render date: 2024-06-17T20:31:04.346Z Has data issue: false hasContentIssue false

Distinktionsstrategien im literarischen Feld und Aktualisierung tabuisierter Traditionen in der selbst verlegten Literatur der DDR in den 1980er Jahren

Published online by Cambridge University Press:  28 February 2023

Matthew Philpotts
Affiliation:
University of Manchester
Sabine Rolle
Affiliation:
University of Edinburgh
Get access

Summary

DIE SELBST VERLEGTE Literatur der 1980er Jahre zeichnet sich auf inhaltlicher und formaler Ebene, aber auch hinsichtlich ihrer Produktion und Rezeption durch einen radikalen Bruch mit den verschiedenen Traditionen der DDR-Literatur aus. Zwischen 1978 und 1990 zirkulierten in der DDR circa dreißig Kleinstzeitschriften, die größtenteils durch die Zusammenarbeit jüngerer Autoren und bildender Künstler entstanden sind.

Die einzelnen Zeitschriften erschienen mit einer Auflage zwischen zwanzig und einhundert Exemplaren, sie zirkulierten vorrangig im Freundeskreis der Autoren und hatten aus diesem Grund eine relativ eingeschränkte Verbreitung. Dennoch ist ihre Wirkung im literarischen Feld der DDR nicht zu unterschätzen. Denn den Autoren und Herausgebern gelang es über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren hinweg, dem offiziellen Literaturbetrieb mit seinen Kontroll- und Zensurinstanzen einen nicht zensurierten Raum künstlerischen Schaffens gegenüberzustellen und neben der „ersten” eine „zweite literarische Öffentlichkeit” zu etablieren. Die in dieser Hinsicht besondere Bedeutung der selbstverlegten Literatur wurde auch außerhalb der DDR wahrgenommen. Schon bald interessierten sich bundesrepublikanische Verlage für die jüngeren Autoren, die sie in Einzelveröffentlichungen und Anthologien dem westdeutschen Publikum als Beispiele einer „anderen” Literatur, einer „anderen Sprache” aus der DDR präsentierten. Nach dem Mauerfall wurde während des deutsch-deutschen Literaturstreits auch die Literatur dieser Generation diskreditiert, als bekannt wurde, dass zwei Protagonisten der unabhängigen Literaturszene (Sascha Anderson und Rainer Schedlinski) als IM für die Staatsicherheit gearbeitet hatten. Diese Debatte kann nicht unerwähnt bleiben, doch wäre es falsch, die gesamte „zweite literarische Öffentlichkeit” als ferngesteuert zu betrachten: zu zahlreich waren die Autoren und Künstler, zu heterogen das Milieu um die unterschiedlichen Zeitschriftenkreise herum.

Bourdieus Theorie des literarischen Feldes, hier auf die DDRLiteratur angewandt, bietet sich besonders an, um den Eintritt dieser neuen Autorengeneration in das Literatursystem der DDR zu analysieren. Denn im Rahmen dieser Theorie wird Literatur als Ausdruck einer Positionierung in einem Spannungsfeld verstanden, das aus den Interaktionen der einzelnen Literaturproduzenten, aus ihren Positionen und Dispositionen entsteht. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit des literarischen Feldes von externen Instanzen, seine Beeinflussung durch z.B. ökonomische bzw. politische Macht in Betracht gezogen, wobei die Frage nach der Autonomie des Feldes einen zentralen Stellenwert hat. Insgesamt erlaubt Bourdieus Modell, die Gesamtheit der innerhalb des Feldes vertretenen Positionen differentiell in ihrer Beziehung untereinander und in Bezug auf ihre Haltung zum politisch dominierten Feld der Macht darzustellen.

Type
Chapter
Information
Edinburgh German Yearbook 3
Contested Legacies: Constructions of Cultural Heritage in the GDR
, pp. 233 - 252
Publisher: Boydell & Brewer
Print publication year: 2009

Access options

Get access to the full version of this content by using one of the access options below. (Log in options will check for institutional or personal access. Content may require purchase if you do not have access.)

Save book to Kindle

To save this book to your Kindle, first ensure coreplatform@cambridge.org is added to your Approved Personal Document E-mail List under your Personal Document Settings on the Manage Your Content and Devices page of your Amazon account. Then enter the ‘name’ part of your Kindle email address below. Find out more about saving to your Kindle.

Note you can select to save to either the @free.kindle.com or @kindle.com variations. ‘@free.kindle.com’ emails are free but can only be saved to your device when it is connected to wi-fi. ‘@kindle.com’ emails can be delivered even when you are not connected to wi-fi, but note that service fees apply.

Find out more about the Kindle Personal Document Service.

Available formats
×

Save book to Dropbox

To save content items to your account, please confirm that you agree to abide by our usage policies. If this is the first time you use this feature, you will be asked to authorise Cambridge Core to connect with your account. Find out more about saving content to Dropbox.

Available formats
×

Save book to Google Drive

To save content items to your account, please confirm that you agree to abide by our usage policies. If this is the first time you use this feature, you will be asked to authorise Cambridge Core to connect with your account. Find out more about saving content to Google Drive.

Available formats
×