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Bertolt Brecht und Thomas Mann auf einer Seite! Die Stuttgarter Stimme vom 3. August 1945

Published online by Cambridge University Press:  15 June 2023

Markus Wessendorf
Affiliation:
University of Hawaii, Manoa
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Summary

Ein philologisch und zeitgeschichtlich interessantes Dokument bereichert seit Kurzem die Brechtsammlung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg: ein Exemplar der Zeitung Stuttgarter Stimme vom 3. August 1945, herausgegeben von der amerikanischen Armee. Die Zeitung erschien wöchentlich, die Ausgabe vom 3. August 1945 ist die erste Nummer überhaupt. Auf einer vornehmlich der deutschen Kultur gewidmeten Seite ist ein Gedicht Brechts aus der Szenenfolge Furcht und Elend des Dritten Reiches “vereint” mit jenem Offenen Brief an Thomas Mann von Walter von Molo, der wesentlich zur Entfachung des Streites um die sog. deutsche “innere Emigration” beitrug. Bei beiden Texten handelt es sich um den bisher nicht nachgewiesenen Erstdruck in Deutschland.

Die Provenienz des Dokuments ist rasch erläutert und keineswegs außergewöhnlich bei solchen Fällen: Der einstige Besitzer des Blattes, der in der Umgebung Stuttgarts lebte, warf die Zeitung nicht weg, sondern hob sie aus unbekannten Gründen auf; vielleicht, weil auf der ersten Seite über das weltbewegende Potsdamer Abkommen berichtet wurde, das genau einen Tag vorher, also am 2. August 1945, getroffen wurde. Dann geriet die Zeitung offensichtlich in Vergessenheit; über mindestens eine Generation hinweg. Als kürzlich, mehr als 75 Jahre nach Erscheinen des Blattes, ein Nachlass zu ordnen bzw. zu entsorgen war, fiel das Blatt auf. Der Finder “rettete” es und übergab es der Stadt Augsburg als Schenkung.

Brecht begann seine Arbeit an Furcht und Elend des Dritten Reichs 1938 und schrieb über Jahre hinweg immer neue Szenen, die teilweise austauschbar waren und von denen im Exil immer wieder einzelne aufgeführt wurden. Das Gedicht Lied der “Besatzung des Panzerkarrens,” hier abgedruckt unter dem Titel “Lied der Panzerjäger,” entstand im Frühjahr 1942. Brecht schrieb es für solche amerikanischen Aufführungen einzelner Szenen von Furcht und Elend. Gedruckt wurde das Gedicht erstmals in der englischen Übersetzung von Furcht und Elend, die 1944 erschien; evtl. aber auch schon 1942 in der Exilzeitschrift Tribüne für freie deutsche Literatur und Kunst in Amerika.

1945 erschien dann in New York, beim Aurora-Verlag, die erste deutsche Fassung von Furcht und Elend des Dritten Reichs, in der das Lied enthalten ist. Zuvor jedoch gab es in Deutschland einzelne Abdrucke in deutscher Sprache, in Zeitungen, die gleichfalls unter der Aufsicht der USamerikanischen Militärverwaltung standen. Als erster deutscher Druck galt bis jetzt der in der Münchner Zeitung vom 4. August 1945, dann gab es noch einen weiteren wenige Tage später, am 8. August in der Allgemeinen Zeitung in Berlin.

Type
Chapter
Information
Publisher: Boydell & Brewer
Print publication year: 2022

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