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Was die „arme Witwe“ lehrt: Sozial- und motivgeschichtliche Beobachtungen zu Mk 12,41–4par.

  • Eve-Marie Becker (a1)

Abstract

By means of a contextual analysis of Mark 12.41–4, a narrative analysis of ‘women’ in Mark and a social–historical analysis of the motif of the ‘poor widow’, this article argues that Mark 12.41–4 paves the way for Jesus’ eschatological speech (Mark 13): while the precise purpose of the widow's deposit (ritual, donation or saving) remains an open question, Jesus strengthens her dignity. Mark thus alludes to the ancient motif of respecting personae miserae and shows who Jesus is in light of God's pending judgement of Jerusalem. In its focus on the ‘widow’ motif, the analysis of Mark 12.41–4par. enriches previous studies on form- and redaction-criticism and Realgeschichte by revealing the Christological meaning of the Markan narrative.

German abstract: Der vorliegende Beitrag sucht mit Hilfe einer Kontextanalyse zu Mk 12,41–4, der Betrachtung der Erzählfunktion von Frauen im Markusevangelium und einer sozialgeschichtlich geleiteten Analyse des Motivs der „armen Witwe“ aufzudecken, welche Bedeutung der markinischen Erzähleinheit im Übergang zur eschatologischen Endzeitrede Jesu (Mk 13) zukommt: Jesus stärkt die Würde der Witwe – den genauen Zweck ihrer Geldeinlage (Opfer, Spende, Spareinlage) lässt Markus offen. Die markinische Erzählung ruft vielmehr das vorderorientalische Motiv der Achtung der personae miserae auf und lehrt, wer Jesus im Zeichen des Gottesgerichts über Jerusalem ist. So bereichert die Analyse von Mk 12,41–4 mit (Seitenblick auf den lukanischen Paralleltext und) ihrer Fokussierung auf das Witwen-Motiv die bisherigen form-, redaktions- und realgeschichtlich orientierten Textstudien um die Einsicht des christologischen Bedeutungsgehalts der markinischen Erzählung.

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Den vorliegenden Beitrag habe ich im November 2017 als Probevortrag an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Münster gehalten.

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1 Fragen der Datierung des Markusevangeliums werden in diesem Beitrag nicht eigens diskutiert – sie wurden und werden in vielen anderen Zusammenhängen ausgiebig dargelegt, vgl. etwa: Becker, E.-M., „Einführung: Der früheste Evangelist im Lichte der aktuellen Markusforschung. Eine Standortbestimmung“, dies., Der früheste Evangelist: Studien zum Markusevangelium (WUNT 380; Tübingen: Mohr Siebeck, 2017) 113. Überlegungen zur zeitgeschichtlichen Einordnung der Perikope – im Rahmen des markinischen Gesamtentwurfs – erfolgen unten.

2 Zur Beschreibung des herodianischen Jerusalems und des Tempelbezirks darin (s.u.) und vgl. schon Schürer, E., The History of the Jewish People in the Age of Jesus Christ (175 BC–AD 135), Bd. ii: A New English Version Revised and Edited by G. Vermes et al. (Edinburgh: T. & T. Clark, 1979) 279ff.

3 Die Frage nach der Stellung von Witwen in der frühchristlichen Welt und/oder der konkreten Bedeutung der Witwe in Mk 12,41–4 wird in den neutestamentlichen Sozialgeschichten gemeinhin gerne übersehen – vgl. etwa: Stegemann, E. W./Stegemann, W., Urchristliche Sozialgeschichte: Die Anfänge im Judentum und die Christusgemeinden in der mediterranen Welt (Stuttgart: Kohlhammer, 1997 2) 116 – oder auf den Aspekt der Witwenfürsorge (Apg 6) beschränkt, vgl. Koch, D.-A., Geschichte des Urchristentums: Ein Lehrbuch (Göttingen/Bristol: Vandenhoeck & Ruprecht, 2014 2) 169ff.

4 Vgl. Malbon, E. Struthers, „The Poor Widow in Mark and her Poor Rich Readers“, CBQ 53 (1991) 589604.

5 Zu dem Pilger Johannes von Würzburg vgl. Ousterhout, R., „‘Sweetly Refreshed in Imagination’: Remembering Jerusalem in Words and Images“, Gesta 48. Making Thoughts, Making Pictures, Making Memories: A Special Issue in Honor of Mary J. Carruthers (2009) 153–68, hier 156–7.

6 Wright, A. G., „The Widow's Mites: Praise or Lament? – A Matter of Context“, CBQ 44 (1982) 256–65, hier 256.

7 Vgl. Weiser, W./Cotton, H. M., „‚Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist …‘: Die Geldwährungen der Griechen, Juden, Nabatäer und Römer im syrisch-nabatäischen Raum unter besonderer Berücksichtigung des Kurses von Sela‘/Melaina und Lepton nach der Annexion des Königreiches der Nabatäer durch Rom“, ZPE 114 (1996) 237–87, hier 237–41; Hendin, D., „Jesus and Numismatics: The Importance of Coins in Reconstructing Jesus and his World“, Jesus Research: New Methodologies and Perceptions. The Second Princeton–Prague Symposium on Jesus Research, Princeton 2007 (hg. J. H. Charlesworth/B. Rhea; Grand Rapids/Cambridge: Eerdmans, 2014) 190–7, hier 195–6. – Zur Bedeutung des Münz- und Kreditwesens für die Geldwirtschaft in der frühen römischen Kaiserzeit vgl. Harris, W. V., „A Revisionist View of Roman Money“, JRS 96 (2006) 124; Kay, P., Rome's Economic Revolution (Oxford: Oxford University Press, 2014).

8 Theißen, G., „Die Witwe als Wohltäterin: Beobachtungen zum urchristlichen Sozialethos anhand von Mk 12,41–44“, Randfiguren in der Mitte: FS Hermann-Josef Venetz (hg. M. Küchler/P. Reinl; Luzern/Freiburg: Edition Exodus/Paulusverlag, 2003) 171–82, hier 171.

9 Lührmann, D., Das Markusevangelium (HNT 3; Tübingen: Mohr Siebeck, 1987) 211.

10 Vgl. Lau, M., „Die Witwe, das γαζοϕυλάκιον und der Tempel: Beobachtungen zur mk Erzählung vom ‚Scherflein der Witwe‘ (Mk 12,41–44)“, ZNW 106 (2016) 186205.

11 So etwa Wright, „The Widow's Mites“, 259ff.

12 So Struthers Malbon, „The Poor Widow“, 595ff.

13 Gelardini, Nach G., Christus Militans: Studien zur politisch-militärischen Semantik im Markusevangelium vor dem Hintergrund des ersten jüdisch-römischen Krieges (NT.S 165; Leiden/Boston: Brill, 2016) ist die Witwe „ein nachahmenswertes Beispiel der Selbsthingabe und damit auch Todesbereitschaft“ (371).

14 Schnelle, U., Theologie des Neuen Testaments (UTB 2917; Göttingen/Bristol: Vandenhoeck & Ruprecht, 2016 3) 361.

15 Lührmann, Markusevangelium, 211; vgl. auch Gnilka, J., Das Evangelium nach Markus (Mk 8, 27–16,20) (EKK ii/2; Zürich/Düsseldorf: Benziger/Neukirchener, 1999 5) 176.

16 Collins, A. Yarbro, Mark: A Commentary (Hermeneia; Minneapolis: Fortress, 2007) 590.

17 Theißen, „Die Witwe als Wohltäterin“, 172.

18 Yarbro Collins, Mark, 587.

19 Gnilka, Evangelium, 176; so auch Bultmann, R., Geschichte der synoptischen Tradition (FRLANT 12; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1995 10) 32.

20 Vgl. Marcus, J., Mark 8–16: A New Translation with Introduction and Commentary (AncB 27A; New Haven/London: Yale University Press, 2009) 859.

21 Bultmann, Geschichte der synoptischen Tradition, 32f.; Yarbro Collins, Mark, 587. – Bultmann nahm eine Abhängigkeit von der buddhistischen Tradition an (Tripitaka), vgl. Haas, H., Das Scherflein der Witwe und seine Entsprechung im Tripitaka (Leipzig: J. C. Hinrichs, 1922).

22 Vgl. aber Theißen, „Die Witwe als Wohltäterin“; Marcus, Mark, 859–60.

23 Vgl. Ådna, J., „The Role of Jerusalem in the Mission of Jesus“, The Identity of Jesus: Nordic Voices (hg. S. Byrskog et al.; WUNT ii/373; Tübingen: Mohr Siebeck, 2014) 161–80, hier 173ff.; ders., Jerusalemer Tempel und Tempelmarkt im 1. Jahrhundert n. Chr. (ADPV 25; Wiesbaden: Harrassowitz, 1999), bes. 92–5.

24 So Hamilton, N. Q., „Temple Cleansing and Temple Bank“, JBL 83 (1964) 365–72.

25 So Ådna, „The Role of Jerusalem“, 176.

26 Nach Str-B, 46 = Strack, H./Billerbeck, P., Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch, Bd. ii (München: Beck, 1924).

27 Vgl. dazu Yarbro Collins, Mark, 587.

28 So etwa hält Wright, „The Widow's Mites“, 259, fest.

29 Klingt in der lukanischen Version in 21,1–4 der Gabendiskurs aus 2 Kor 8 (s.o.) nach?

30 Vgl. etwa Klein, H., Das Lukasevangelium (KEK i/3; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2006) 640: „Den Mk-Bericht hat Lk sprachlich bearbeitet, inhaltlich aber hat er ihn nicht verändert.“ Vgl. zu den Stellen ähnlich auch: Marcus, Mark; Fitzmyer, J. A., The Gospel according to Luke (x–xxiv) (AncB 28A; New York: Doubleday, 1985); Yarbro Collins, Mark; Bovon, F., Luke 3: A Commentary on the Gospel of Luke 19:28–24:53 (Hermeneia: Minneapolis: Fortress, 2012). – Einen detaillierten synoptischen Vergleich von Mk 12,41–4 mit Lk 21,1–4 hat dagegen zuletzt: Kramer, H., Lukas als Ordner des frühchristlichen Diskurses um „Armut und Reichtum“ und den „Umgang mit materiellen Gütern“: Eine überlieferungsgeschichtliche und diskurskritische Untersuchung zur Besitzethik des Lukasevangeliums unter besonderer Berücksichtigung des lukanischen Sonderguts (NET 21; Tübingen/Basel: Francke, 2015) 230–1 vorgelegt.

31 Lau, „Die Witwe“, 196. Nach Josephus (A.J. 9,163–4) ließe sich, so Lau, der „Opferstock“ (θησαυρός) sogar eigens begrifflich vom Tempelbankdepot (γαζοϕυλάκιον) unterscheiden („Die Witwe“, 191 und 198). – Vgl. nur knappe Hinweise in: Schwartz, D. R., 2 Maccabees (Commentaries on Early Jewish Literature; Berlin: de Gruyter, 2008) 191 und 194; Doran, R., 2 Maccabees: A Critical Commentary (Hermeneia; Minneapolis: Fortress, 2012).

32 Marcus, Mark, 861.

33 Lau, „Die Witwe“, 188.

34 Lau, „Die Witwe“, 188.

35 Lau bietet keine überzeugende Erklärung dafür an, warum der markinische Jesus eine spareinlegende Frau zum Gegenstand seiner Jüngerbelehrung macht. Sollen die Jünger auch sparen oder aber die Sinnlosigkeit einer Spareinlage sehen? Zudem kann sich die Kritik Jesu an den Schriftgelehrten wohl eher nicht auf deren mögliche Veruntreuung von Spareinlagen beziehen, sondern darauf, dass sie die bescheidene Gabe einer armen Frau verachten – so wie es der Midraschbeleg (s.o.) nahelegt. Bei Laus Analyse des markinischen Textes bleiben weitere Fragen offen: Wenn die Verwendung des Begriffs γαζοϕυλάκιον in der frühjüdischen Literatur so eindeutig ist, wie Lau behauptet – wie ist dann die Verunklärung zu erklären, die wir bei Lukas, dem Historiker, beobachten können, der ja das γαζοϕυλάκιον eindeutig als Ort von Gaben oder Spenden (δῶρα) und eben nicht einer Spareinlage versteht?

36 Die drei Beschreibungen des Tempels, nach denen der Tempel rekonstruiert wird, finden sich bei Josephus in: B.J. 5,184–217; A.J. 15,380–425; C. Ap. 2,102–9. Die Beschreibung der verschiedenen Höfe findet sich in A.J. 15,417–20. – Die andere Quelle zur herodianischen Tempelbeschreibung ist der Mischnatraktat Middot. – Vgl. insgesamt auch: Safrai, S., „Temple. Ritual“, Encyclopedia Judaica 19 (2007 2) 618–25.

37 Marcus, Mark, 858.

38 Ähnlich Gelardini, Christus, 369.

39 Ob Markus die Handlung der Witwe aus historischer Unwissenheit oder aber mit Absicht nicht näher bestimmt, können wir kaum entscheiden. Was wir wissen können, ist, dass Lukas die Szene eindeutiger zu machen versucht.

40 Zur Übersetzung von Lk 21,1–4: 1Als er (= Jesus) aber aufblickte, sah er, wie die Reichen ihre Gaben in das γαζοϕυλάκιον warfen. 2Er sah aber auch, wie irgendeine arme Witwe zwei Kupfermünzen hineinwarf. 3Und er sprach: „Wahrlich, ich sage Euch: Diese arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt. 4Diese alle nämlich haben in die Gaben(box) aus dem, was für sie Überfluss ist, eingelegt, diese aber hat aus ihrer Armut alles, den ganzen Lebensunterhalt, den sie hatte, eingelegt.“

41 So Yarbro Collins, Mark, 587; Fitzmyer, Gospel, 1319.

42 Zur Funktion der Polemik im Markusevangelium vgl. Scornaienchi, L., „Jesus als Polemiker: Wie polemisch darf Jesus sein? Historische und normative Aspekte“, Polemik in der frühchristlichen Literatur: Texte und Kontexte (hg. O. Wischmeyer/L. Scornaienchi; BZNW 170; Berlin/New York: de Gruyter, 2011) 381413; B. Repschinski, „Die literarische Form der Streitgespräche“, a.a.O., 415–32; Scornaienchi, L., „The Controversy Dialogues and the Polemic in Mark and Matthew“, Mark and Matthew i: Comparative Readings. Understanding the Earliest Gospels in their First-Century Settings (hg. E.-M. Becker/A. Runesson; WUNT 271; Tübingen: Mohr Siebeck, 2011) 309–21.

43 Zur Übersicht und Funktion der markinischen Streitgespräche vgl. auch E.-M. Becker, „Die markinischen ‚Streitgespräche‘ im Plan des Evangeliums: Eine kritische relecture der formgeschichtlichen Methode“, Polemik in der frühchristlichen Literatur, 433–63; B. Repschinski, „Die literarische Form der Streitgespräche“, a.a.O., 415–32.

44 Vgl. J. S. Kloppenborg, „The Representation of Violence in Synoptic Parables“, Mark and Matthew i, 323–51, hier 336: „This is the only point in Mark's narrative where the divine explicitly intervenes or is imagined to intervene with such deadly force to kill human opponents.“

45 Nach Gnilka, Evangelium, 176 ein redaktioneller Nachtrag.

46 Vgl. zuletzt: Aernie, J. W., „Cruciform Discipleship: The Narrative Function of the Women in Mark 15–16“, JBL 135 (2016) 779–97.

47 So zuletzt Guttenberger, G., Das Evangelium nach Markus (ZBK.NT 2; Zürich: Theologischer Verlag, 2017) 289.

48 Ilan, T., „Women“, The Eerdmans Dictionary of Early Judaism (2010) 1346–9, hier 1348–9; dies., „Women in Qumran and the Dead Sea Scrolls“, The Oxford Handbook of the Dead Sea Scrolls (hg. T. H. Lim/J. J. Collins; Oxford: Oxford University Press, 2010) 123–47.

49 Ilan, „Women“, 1346–7.

50 Vgl. Galpaz–Feller, P., „The Widow in the Bible and in Ancient Egypt“, ZAW 120 (2008) 231–53; Schellenberg, A., „Hilfe für Witwen und Waisen: Ein gemein-altorientalisches Motiv in wechselnden alttestamentlichen Diskussionszusammenhängen“, ZAW 124 (2012) 180200; Stol, M., Women in the Near East (Übersetzt von H. Richardson/M. Richardson; Boston/Berlin: de Gruyter, 2016).

51 Stol, Women, 278.

52 Vgl. Walcot, P., „On Widows and their Reputation in Antiquity“, SO 66 (1991) 526; Günther, L.-M., „Witwen in der Griechischen Antike: Zwischen Oikos und Polis“, Historia 42 (1993) 308–25.

53 Ilan, T., Jewish Women in Greco-Roman Palestine: An Inquiry into Image and Status (TSAJ 44; Tübingen: Mohr Siebeck, 1995) 151.

54 Vgl. Krause, J.-U., „Witwe“, DNP 12/2 (2002) 557–8.

55 Vgl. insgesamt zum Status der Frauen in den paulinischen Gemeinden im Kontext der römischen Welt: Winter, B. M., Roman Wives, Roman Widows: The Appearance of New Women and the Pauline Communities (Grand Rapids/Cambridge: Eerdmans, 2003).

56 Lang, B., „Witwe“, NBL 14/15 (2001) 1118–20, hier 1119.

57 Vgl. Hinweise dazu: N. Molnar-Hidvegi, „Witwe und Waise“ (AT), WiBiLex, www.bibelwissenschaft.de/wibilex/.

58 Achenbach, R., „The Protection of personae miserae in Ancient Israelite Law and Wisdom and in the Ostracon from Khirbet Qeiyafa“, Semitica 54 (2012) 93125. Achenbach (121) schlägt folgenden Text vor:

0 … (a person)

1 do not incriminate and a slave do not …

2 Uphold the right of (the slave) and the widow (ואלמן); uphold the right of the fatherless and

3 the foreigner! Defend the cause of the infant, defend the cause of the deprived and

4 of the widow (ואלמן)! Avenge is under the authority of the King,

5 shield the poor and the slave, protect the foreigner.

59 Schellenberg, „Hilfe für Witwen und Waisen“, 200.

60 Schellenberg, „Hilfe für Witwen und Waisen“, 190.

61 In einigen der mit Mk 12 zeitverwandten frühchristlichen Texte (s.o.) werden – in Entsprechung zu den LXX-Traditionen – Witwen und Waisen zusammen genannt (z.B. Jak 1,27; Barn 20,2; IgnSmyr 6,2; Herm 103,2 [Sim ix,26]). In Mk 12,40 fügen dementsprechend D, W, f13 u.a. και ορφανων ein. Umso bemerkenswerter ist der Umstand, dass sich Mk 12,41–4 lediglich mit dem Schicksal einer Witwe befasst und damit die frühchristliche Situation der Witwenfürsorge spiegelt.

62 Schellenberg, „Hilfe für Witwen und Waisen“, 192–3.

63 Vgl. Galpaz-Feller, „The Widow in the Bible“, 232.

64 Vgl. Stählin, G., „Das Bild der Witwe: Ein Beitrag zur Bildersprache der Bibel und zum Phänomen der Personifikation in der Antike“, JAC 17 (1974) 520, hier 10ff.

65 Schellenberg, „Hilfe für Witwen und Waisen“, 195.

66 Vgl. auch Kotzé, G. R., „Orphans in the Dead Sea Scrolls“, HTS 72/4 (2016) 19.

67 Vgl. Cotton, H. M., „Women: The Texts“, Encyclopedia of the Dead Sea Scrolls, Bd. ii (hg. Schiffman, L. H./VanderKam, J. C.; Oxford: Oxford University Press, 2000) 984–7, hier 986. – Vgl. auch: E. Schuller/C. Wassen, „Women. Daily Life“, Encyclopedia of the Dead Sea Scrolls, Bd. ii, 981–4. Für einzelne Quellen- und Literaturhinweise danke ich Prof. em. Eileen Schuller (McMaster University, Hamilton/Ont., Kanada).

68 Vgl. auch Collins, J. J., „Family Life“, Encyclopedia of the Dead Sea Scrolls, Bd. i (hg. L. H. Schiffman/J. C. VanderKam; Oxford: Oxford University Press, 2000) 287–90, hier 287.

69 Ilan, Women, 147–51.

70 Der Vers lässt sich als Parallele zu Mk 12,40/Lk 20,47 sehen – zur Textkritik von Mk 12,40: S.o. Anm. 61.

71 Vgl. dazu zuletzt Kramer, Lukas als Ordner, z.B. 85. – Zur sozialgeschichtlichen Konzeption des Lukas vgl. insgesamt auch: Öhler, M., „Die Jerusalemer Urgemeinde im Spiegel des antiken Vereinswesen“, NTS 51 (2005) 393415, bes. 393–7.

72 Vgl. Stählin, „Das Bild der Witwe“, bes. 20.

73 Zitate aus Schellenberg, „Hilfe für Witwen und Waisen“, 199.

74 Nach C. Böttrich, Das slavische Henochbuch (JSHRZ v/7; Gütersloh: Gütersloher, 1996) 956.

75 Nach Böttrich, Henochbuch, 973 unter Hinweis auf „dtn. Formelgut“ (Dtn 14,29; 16,11.14; 24,17–22; 26,12–13; 27,19; schon Ex 22,20–1). Dieser Vers steht im Zusammenhang mit der Vorstellung von eschatologischen Schätzen (50,5) und verwendet dabei Semantik, die Mk 12,41–4 verwandt ist. – Die Rechtshilfe für Witwen und Waisen – eine allgemein-altorientalische Forderung (Böttrich, Henochbuch, 973) – gehört hier „zu den Werken der Barmherzigkeit“ (Stählin, G., „Χήρα“, ThWNT 9 (1973), 428–54, hier 436 Anm. 70 mit Hinweis auf Str-B 4,559–610).

76 So meint hingegen Theißen, „Die Witwe als Wohltäterin“.

77 Doch auch hier bleibt der schon aus Markus bekannte Kontext der Tempelkritik und der Gerichtsankündigung erhalten (Lk 20,45ff.; 21,5ff.).

Den vorliegenden Beitrag habe ich im November 2017 als Probevortrag an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Münster gehalten.

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